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Ellenbogengelenksdysplasie (ED)
Dr. Bernd Tellhelm, Justus-Liebig Universität, Gießen

Entstehung, Erkennung, Klinik

Unter den als Lahmheitsursache auftretenden Gelenkerkrankungen bei Hunden stellen nach der Hüftgelenksdysplasie Erkrankungen des Ellbogengelenkes die häufigste Ursache dar.
Dabei werden diese Erkrankungen des Ellbogengelenkes schon häufig bei jungen Hunden diagnostiziert. Sie sind nur selten durch ein Trauma (Frakturen, Luxationen) oder durch Infektionen bedingt. In der weitaus größten Zahl der Fälle handelt sich um chronische degenerative Veränderungen der Gelenke (Arthrosen), die in der Regel durch Wachstumsstörungen im Bereich der Gelenkflächen oder in den Wachstumszonen der an der Gelenkbildung beteiligten Knochen verursacht werden. Beim jugendlichen Hund ist das Skelett zu großen Teilen knorpelig vorgebildet.  Das Wachstum der Gliedmaßenknochen findet im Wesentlichen in zwei Bereichen statt : in den "Metaphysen", die für das Längenwachstum verantwortlich sind und in den "Epiphysen" in denen die Ausformung der endgültigen Gelenkflächen erfolgt. Außerdem gibt es noch Wachstumsbereiche, die als "Apophysen" bezeichnet werden und meist als Ansätze für Bänder oder Sehnen fungieren. Sie können aber auch an Gelenkflächen zur endgültigen Form der Knochen beitragen. In den genannten Bereichen geschieht das Knochenwachstum durch Neubildung von Knorpelzellen, die später in Knochengewebe umgewandelt werden. Dieser Vorgang wird "enchondrale Ossifikation" genannt. Es können Störungen dieses Vorganges auftreten, deren Ablauf und Ursachen noch nicht endgültig abgeklärt sind.

Wahrscheinlich bedingen nicht optimale Gelenkformen Fehl- und Überbelastungen in bestimmten Bereichen der Gelenkflächen (Epiphysen). Durch Fortleitung dieser abnormen Drucke in den Bereich der Knorpel-Knochengrenze können Störungen der kapillären Gefäßversorgung auftreten. Diese Gefäße stammen aus der direkt unter dem Knorpel liegenden Knochenschicht (subchondrale Spongiosa). In der Folge ist der Vorgang der Umwandlung von Korpel in Knochen gestört. Der verbleibende Knorpel degeneriert und kann nicht zu Knochen umgewandelt werden. In diesen Bereichen ist die feste Verbindung zwischen Knorpel und Knochen gestört und es entsteht eine verdickte Knorpelschicht. Die Ernährung der Knorpelzellen erfolgt durch Diffusion der Substanzen aus der Gelenkflüssigkeit (Synovia). Je dicker der Knorpel ist, um so länger ist der Weg, den die Nährstoffe zurücklegen müssen, um auch die tiefen, weiter von der Gelenkfläche entfernt liegenden Schichten der Knorpelzellen zu erreichen. Wird der Knorpel zu dick und damit der Weg für die Nährstoffe (Diffusionsweg) zu lang, kann es zum Absterben der tiefen Knorpelzellschichten kommen. Es bilden sich Risse, die bis zur Gelenkoberfläche reichen. Teile der Gelenkfläche können sich vollständig oder unvollständig ablösen. Wir haben jetzt das Krankheitsbild der Osteochondrosis dissecans (OCD). Dadurch gelangen Abbauprodukte der zerstörten Knorpelzellen über die Gelenkflüssigkeit an die Innenauskleidung der Gelenkkapsel (Synovialis) und rufen hier eine schmerzhafte Entzündung hervor. Erst jetzt tritt Lahmheit auf. Die krankhaften Vorgänge im Knorpel selbst führen nicht zu Schmerzen, da der Knorpel keine Nerven enthält. Die Folge ist, daß die klinischen Erscheinungen dieser Erkrankung (Schmerz, Lahmheit) erst in einem fortgeschrittenen Stadium auftreten. 

Störungen des Knochenwachstums in den Wachstumszonen der langen Röhrenknochen (Metaphysen) können zu einer Beeinträchtigung des Längenwachstums führen. Die Folge davon sind oft Gliedmaßenfehlstellungen oder Stufenbildung bzw. andere Inkongruenzen im Bereich der Gelenkflächen. Diese könne durch Fehlbelastungen direkt  eine degenerative Knorpelerkrankung (Arthrose) bewirken. Sie können aber auch eine Ablösung von Teilen der Gelenkfläche hervorrufen, oder sie verursachen die oben beschriebenen Vorgänge einer Osteochondrose, die zu einer sekundären Arthrose führen.

Wenn an der Gelenkflächenbildung neben der Epiphyse zusätzliche Verknöcherungskerne (Apophysen) beteiligt sind, kann es durch fehlerhafte Ausbildung der Gelenkflächen (Inkongruenz) und der resultierenden Fehlbelastung zu einer Störung der Verschmelzung von Epi- und Apophyse kommen. Die Apophyse bleibt isoliert und beweglich und führt zur Ausbildung einer Arthrose.

Wie bei der HD ist in erster Linie eine erblich bedingte Veranlagung für das Entstehen von Osteochondrosen verantwortlich.

Als Ursachen für die Störungen der "enchondralen Ossifikation" und die Ausbildung der verschiedenen Chondroseformen spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Die Erkrankung tritt vorwiegend bei Tieren auf, bei denen ein rasches Größenwachstum vorhanden ist, das häufig noch durch züchterische Selektion gefördert wird. Männliche Tiere sind (zwei- bis dreimal) häufiger betroffen als weibliche, die ja in der Regel kleiner sind und eine geringere Wachstumsgeschwindigkeit haben.

Die Ernährung kann eine Rolle für Häufigkeit und Ausprägungsgrad der Osteochondrosen soielen. Dabei wirkt sich besonders eine zu hohe Kalorienzufuhr negativ aus. Die übermäßige Verabreichung von Vitaminen und Calcium begünstigen das Entstehen der Osteochondrosen. Auch hormonelle Einflüsse können die Entstehung von Osteochondrose unterstützen.
Eine (relativ) zu starke Belastung während der Hauptwachstumsphase spielt ebenfalls eine Rolle.

Prinzipiell können Osteochondrosen in allen Teilen des Skeletts auftreten, in denen Knochenwachstum durch enchondrale Ossifikation stattfindet. Betroffen werden meist aber nur bestimmte Bereiche. Die Osteochondrosen treten hauptsächlich da auf, wo besonders intensives Knorpel- (Knochen-) Wachstum vorhanden ist, oder  wo besonders dicke Gelenkknorpelabschnitte bestehen.

Die am häufigsten betroffenen Gelenke beim Hund sind Schulter-, Ellbogen-, Knie- und Sprunggelenke.

Ellbogengelenksdysplasie

Der isolierte Processus Anconaeus ( IPA )

Der Proc. anconaeus der Ulna (Abb1-4, A) hat eine eigenen Verknöcherungskern, der als Epiphyse am oberen (proximalen) Ende der Ulna angesehen wird. Auf dem Röntgenbild lässt er sich etwa von der 11. bis zu 16.Woche nachweisen.

    Abb. 1
    DSH, 16 Monate
    Normales Ellbogengelenk im seitlichen Strahlengang, gestreckte Lagerung. Humerus (H), Radius (R), Ulna (U), Trochlea humeri (T), Processus anconaeus (A ), Olekranon (O), Processus coronoideus medialis der Ulna (1), Processus coronoideus lateralis der Ulna (2), Radiuskopf (3)

    Abb. 2
    DSH, 16 Monate
    Normales Ellbogengelenk im seitlichen Strahlengang, gebeugte Lagerung. Humerus (H), Radius (R), Ulna (U), Trochlea humeri (T), Processus anconaeus (A), Olekranon (O), Processus coronoideus medialis der Ulna (1), Processus coronoideus lateralis der Ulna (2), Incisura trochlearis (3)

    Abb. 3
    DSH, 18 Monate
    Normales Ellbogegelenk, craniocaudaler Strahlengang (in Brustlage). Humerus (H), Radius (R), Ulna (U), Trochlea humeri (T), medialer ( innerer ) Abschnitt (M), lateraler ( äußerer ) Abschnitt (L), Processus coronoideus medialis der Ulna (1), Radiuskopf (2)

    Abb. 4
    Aufsicht auf die Gelenkflächen von Radius und Ulna. Radius (R), Ulna (U), Processus anconaeus (A), Olekranon (O), Processus coronoideus medialis der Ulna (1), Processus coronoideus lateralis der Ulna (2)

Danach erfolgt die knöcherne Vereinigung mit dem Olekranon. Bei sehr großwüchsigen Rassen kann sich dieser Zeitpunkt bis zum 5./6. Monat verzögern. Jede dann röntgenologisch noch nachweisbare Trennung des proc .anconaeus vom Olekranon ist als pathologisch anzusehen (Abb. 5 und .

    Abb. 5
    Fila Brasiliero, 6 Monate.
    Linkes Ellbogengelenk, seitlicher Strahlengang. IPA. Weit dislozierter isolierter Processus anconaeus (1). Die Incisura trochlearis (2)ist deformiert und zeigt deutliche Knochenverdichtungen. Bei 3 deutliche Stufenbildung zwischen dem Radiuskopf und der Gelenkfläche der zu kurzen Ulna.

    Abb. 8
    DSH, 6 Monate
    Rechtes Ellbogengelenk, seitlicher Strahlengang, gebeugtes Gelenk. IPA. Nicht dislozierter isolierter Processus anconaeus (1).Eine Stufenbildung zwischen Radius und Ulna ist nicht erkennbar. Humerus (H), Radius (R) Ulna (U)

Es gibt sicher eine Reihe von Ursachen, die díesen Vorgang auslösen können. Zwei der wichtigsten sollen hier kurz aufgeführt werden.

  1. Durch eine Störung im Längenwachstum der Ulna bleibt diese kürzer als der Radius. Es kommt zu einer Stufenbildung im Ellbogengelenk (Abb.5). Dadurch reitet der Proc. anconaeus auf der Gelenkwalze des Oberarmes auf. Es resultiert eine dauernde mechanische Irritation der Wachstumsfuge des Proc. anconaeus. Die Verknöcherung wird gestört, und es kann sogar zur vollständigen Ablösung des Proc. anconaeus kommen .
  2. Radius und Ulna sind zwar gleich lang, aber die Incisura trochlearis der Ulna ist zu klein ausgebildet (Abb.7). Sie ist nicht in der Lage, die Gelenkwalze des Humerus vollständig aufzunehmen. Dadurch kommt es ebenfalls zu abnormen mechanischen Belastungen am Proc. anconaeus mit den oben beschriebenen Folge.
    Gleichzeitig besteht aber auch eine Fehlbelastung an dem inneren (medialen) Abschnitt der Trochlea humeri und am Proc. coronoideus medialis (siehe unten).
    Der lockere Proc. anconaeus löst ähnliche Vorgänge im Gelenk aus, wie sie oben als Folge der Osteochondrose an Gelenkflächen beschrieben sind. Es entwickelt sich eine Arthrose.
  3. Abb. 7
    Berhardiner, 5 Monate.
    Rechtes Ellbogengelenk, seitlicher Strahlengang. Zu kleine, fast eckige Incisura trochlearis (Pfeile) der Ulna. Abnormer Druck auf Processus anconaeus (1) und Processus coronoideus medialis (2). Trochlea humeri (T) nach vorn verschoben (subluxiert). Verdickung der das Gelenk umgebenden Weichteile.

Der fragmentierte Processus coronoideus medialis (FPC / FCP)

Da auch im Deutschen häufiger die englische Abkürzung FCP  gebräuchlich ist, wird diese im Folgenden verwendet.
Durch eine Stufenbildung mit zu kurzem Radius (Abb.6)  oder eine zu kleine Incisura trochlearis (Abb. 7 s. o.) kann es aufgrund übermäßiger Belastung zu vollständigen oder unvollständigen Ablösungen (Fragmentierung) am Proc. coronoideus medialis der Elle kommen (Abb. 9). Form und Lage dieser Fragmente können dabei sehr unterschiedlich sein. Da die Spitze des Proc. coronoideus medialis erst um den vierten Monat verknöchert, betrachten einige Untersucher die Ablösung als Folge einer gestörten "enchondralen Ossifikation" und ordnen sie uneingeschränkt dem Osteochondrosekomplex zu. Andere Arbeiten zeigen, daß in vielen Fällen der Knorpel unverändert erscheint und es nur im darunter liegenden (subchondralen) Knochen zu Rissbildungen (Fissuren) gekommen ist.

    Abb. 6
    Berner Sennenhund,8 Monate
    Rechtes Ellbogengelenk, seitlicher Strahlengang. Deutliche Stufenbildung zwischen der Gelenkfläche des zu kurzen Radius (R) und der Ulna (U). Knochenverdichtung (Sklerose) im unteren Teil der Incisura trochlearis (2) und am Processus coronoideus medialis (1) durch übermäßige Belastung dieser Abschnitte. Knöcherne Zubildung (Arthrose) am vorderen Ende der Radiusgelenkfläche.

    Abb. 9
    DSH, 11 Monate.
    Rechtes Ellbogengelenk, schräg cranio-caudaler Strahlengang. FPC. Isoliertes Fragment (1) am Processus coronoideus medialis (2) der Ulna.

Die Osteochondrose des medialen Abschnittes der Trochlea humeri (OCD)

Hier handelt es sich sicher um eine Störung der enchondralen Ossifikation. Als auslösende Ursachen kommen die schon beim FCP beschriebenen Vorgänge in Frage. Begünstigt wird das Entstehen einer Osteochondrose an dieser Stelle durch einen schon normalerweise dickeren Gelenkknorpel am medialen Anteil der Gelenkwalze. Röntgenologisch stellt sich die OCD auf der cranio-caudalen Projektion des Ellbogengelenkes als meist fingernagelmondförmiger Aufhellungsbezirk dar (Abb.10). In manchen Fällen kann die abgelöste Knorpelschuppe verkalken und ist dann im Röntgenbild nachweisbar.

Diagnosestellung

Die Vorstellung erkrankter Tiere beim Tierarzt erfolgt erst, wenn durch Schmerzen bedingte Lahmheiten auftreten. Zu diesem Zeitpunkt kann die ursächliche Erkrankung, wie oben erwähnt, schon einige Zeit bestehen. Geringgradige Lahmheiten werden vom Besitzer oft nicht erkannt. Besonders schwierig wird dies, wenn beide Gliedmaßen erkrankt sind. Das hat zur Folge, daß die Erkrankungen bei der Diagnosestellung oft schon weit fortgeschritten sind, was die Behandlungsmöglichkeiten und die Behandlungserfolge erheblich beeinträchtigt.
Bei der klinischen Untersuchung läßt sich der Sitz der Lahmheitsursache zwar in der Regel auf das Ellbogengelenk festlegen, eine endgültige Diagnose kann man aber meist nicht stellen.
Einen großen Anteil an der Diagnostik hat die Röntgenuntersuchung. Dabei läßt sich der IPA einfach und sicher auf einer seitlichen Aufnahme des Ellbogengelenkes erkennen. Wesentlich schwieriger ist dies bei der  OCD  und besonders beim FCP . Es müssen Röntgenaufnahmen in verschiedenen Projektionen angefertigt werden. Wegen der unterschiedlichen Lage und Form der Fragmente beim FCP  läßt sich diese Erkrankung häufig gar nicht direkt röntgenologisch nachweisen. Aufgrund der klinischen Befunde und der röntgenologisch sichtbaren sekundären arthrotischen Veränderungen und/oder der Form-und Dichte-Veränderungen des Proc. coronoideus medialis der Elle wird eine Verdachtsdiagnose erhoben. 
Die endgültige Diagnose kann dann erst nach der operativer Eröffnung des Gelenkes gestellt werden.
Bei der Interpretation der Röntgenaufnahmen muß allerdings bedacht werden, daß die beschriebenen röntgenologischen Veränderungen nicht immer die Ursache einer vorhandenen Lahmheit sein müssen.
Eine weitergehende Absicherung der Diagnose vor einer Operation kann auch durch die zusätzliche Anwendung  anderer bildgebender Verfahren (Computertomographie / CT, Kernspintomographie / MRT) erfolgen. In diesem Rahmen zeigt sich, dass im CT häufig Coronoiderkrankungen festgestellt werden, obwohl die Röntgenaufnahmen nur geringfügig verändert sind. Solche Befunde sind von nicht spezialisierten Tierärzten kaum erkennbar. Das führ oft zu erheblichen Diskrepanzen in der Beurteilung von Ellbogen durch die Röntgentierärzte und die Gutachter.
Von besonderer Bedeutung ist die Arthroskopie (Gelenkspiegelung). Sie bringt die umfassendste Information über den Zustand des Gelenkes und erlaubt gleichzeitig, wenn notwendig, eine operative Behandlung der Erkrankung.

Therapie

Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und eine der oben angeführten Grunderkrankungen diagnostiziert, ist ein operatives Vorgehen angezeigt. Es besteht im Prinzip bei allen drei Erkrankungen in der chirurgischen Entfernung der abgelösten oder Glättung der beschädigten Gelenkabschnitte. Beim IPA kann unter bestimmten Umständen eine Refixation des Fragmentes mittels einer Schraube versucht werden. Die mittels Arthroskopie durchführbare Behandlung von OCD und FCP bietet den Vorteil, dass es sich um einen relativ kleinen Eingriff handelt. Er erfordert in der Regel keinen stationären Aufenthalt und die Tiere sind früher belastbar, als nach der klassischen Gelenkeröffnung (Arthrotomie). Dieser Vorteil kann in der Regel aber nur genutzt werden, wenn die Arthroskopie von erfahrenen Operateuren vorgenommen wird. Auch die Arthrotomie kann sehr gelenkschonend durchgeführt werden.

Bei einer konservativen Behandlung kommen die im Abschnitt Vorbeugung erwähnten Maßnahmen zum Einsatz. Zusätzlich werden entzündungshemmende (antiphlogistische) und schmerzstillende (analgetische) Medikamente angewendet. Auch die Gabe von Substanzen, die einen positiven Einfluss auf den Stoffwechsel des Gelenkknorpels haben (z.B. Glykosaminglykane) ist sinnvoll.

Schmerzarmut und damit bessere Bewegungsmöglichkeit mit positivem Einfluss auf die Muskulatur ist auch das Ziel der Behandlung mit Goldakupunktur, allerdings erscheint diese bei den Erkrankungen im Rahmen der ED wenig erfolgversprechend.

Generell muß gesagt werden, daß über die Art der Therapie von Fall zu Fall entschieden werden muss.
Keine der genannten Behandlungen kann im Einzelfall eine sichere und dauerhafte Heilung im Sinne von Schmerz- und Lahmheitsfreiheit garantieren.
Unabhängig von der gewählten Behandlungsform ist anschließend ein gezieltes Muskeltraining im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung von großer Wichtigkeit.

Vorbeugung

Da die Behandlungserfolge im Allgemeinen als unbefriedigend angesehen werden müssen, muss der Schwerpunkt auf der Früherkennung und besonders der Verhütung der Erkrankungen liegen.

Junge Hunde, die lahm gehen sollten möglichst bald sorgfältig untersucht werden, um die Ursache herauszufinden. Mann sollte sich davor hüten , solche Lahmheiten als " Wachstumsschmerz " abzutun. Auch Bemerkungen, daß bei bestimmten Rassen schon mal bei jungen Hunden Lahmheiten auftreten, die dann bald wieder verschwinden, sind wenig hilfreich. Die Erkrankungen zeigen oft schmerzfreie Intervalle, was die Diagnosestellung erheblich verzögern und damit die Behandlungsmöglichkeiten einschränken kann.

Eine gewisse Rolle bei der Ausprägung der Erkrankungen genetisch belasteter Tiere können fehlerhafte Ernährung und übermäßige Belastung in der Hauptwachstumsphase spielen. Besonders eine zu hohe Kalorienzufuhr  wirkt sich negativ aus. Aber auch die übermäßige Verabreichung von Vitaminen und Mineralstoffen ( auch Kalzium ) begünstigen das Entstehen dieser Wachstumsstörungen. Fertigfuttermittel sind in der Regel so ausgewogen, dass Ergänzungsfutter und Zusatzstoffe eher gefährlich sind, es sei denn, die Tierärztin / der Tierarzt hätten einen bestimmten Mangel nachgewiesen.
Es ist schwierig, zu entscheiden, wieviel Bewegung ein junger Hund braucht und verträgt, und wann die Belastung zu groß ist. Besonders gefährdet sind Hunde, die ein sehr schnelles Wachstum zeigen. Ein vernünftiger Maßstab könnte sein, daß man die Tiere in der Hauptwachstumsphase ihren eigenen Bewegungsdrang ausleben lässt, ohne sie zusätzlich zu motivieren oder gar zu zwingen.

Züchterische Selektion

Da eine genetische Disposition für diese Erkrankungen  nachgewiesen ist, bieten sich Zuchtmaßnahmen zu ihrer Reduktion in betroffenen Hundepopulationen an.

1989 wurde in Davis/Kalifornien die International Elbow Working Group (IEWG) gegründet.
Ziel dieser Gruppe ist es, die Bemühungen zur Reduzierung dieser Erkrankungen weltweit zu koordinieren : Forschung, Verbreitung von Informationen, Empfehlungen zum Führen von nationalen Registern und Aufklärung über die oben aufgeführten Erkrankungen.

Obwohl medizinisch nicht korrekt, werden diese Erkrankungen unter dem Begriff "Ellbogengelenks Dysplasie - ED" zusammengefaßt. Die Mitglieder der IEWG stimmen darin überein, daß die Vererbung die entscheidende Rolle bei der Entstehung und Ausprägung der ED spielt.


Da die Grunderkrankungen  häufig zu spät diagnostiziert werden, um sie erfogreich zu behandeln, bzw. die Behandlungserfolge unbefriedigend sind, wird, ähnlich wie bei der HD eine züchterische Selektion empfohlen, die auf der Basis von Röntgen-Reihenuntersuchungen erfolgt und das Ziel hat, gesunde Hund zu züchten.

Folgende Voraussetzungen sind zu erfüllen :

  1. Die Hunde sollen zum Zeitpunkt der Untersuchung mindestens 12 Monate alt sein.
  2. Die Röntgenaufnahmen müssen eine sehr gute technische Qualität haben. Das Aufnahmeformat sollte die Größe 18x24 nicht überschreiten. Streustrahlenraster sollten nicht verwendet werden.
  3. Beide Ellbogengelenke sind zu röntgen.
  4. Von jedem Gelenk ist mindestens eine seitliche (medio-laterale) Aufnahme in gebeugter Haltung anzufertigen. Dabei soll der Winkel zwischen Humerus und Radius etwa 45 Grad betragen und das Gelenk orthograd abgebildet sein.
    Es wird dringend empfohlen, mindestens eine zusätzliche Aufnahme, in derRegel die craniocaudale Projektion mit 15° Pronation, anzufertigen.
  5. Die Aufnahmen sind mit den vollständigen Daten des Hundes zu versehen. Das setzt voraus, daß der Hund entsprechend     gekennzeichnet ist (Tätowierung/Chip). Die Aufnahmen sollen zentral archiviert und mindestens10 Jahre aufgehoben werden.
  6. Die Untersuchungsergebnisse sollen veröffentlicht werden bzw. allgemein zugänglich sein, damit Züchter oder wissenschaftlich interessierte Personen sich informieren können.

Bei der für die ED-Beurteilung vorgeschriebenen medio-lateralen Standardaufnahme mit gebeugtem Ellbogengelenk beträgt der Winkel zwischen Humerus und Radius/Ulna etwa 45 Grad.  Die Gelenkwalze des Humerus ist orthograd getroffen, so daß sich medialer und lateraler Abschnitt übereinander projizieren (Abb.11). Je nach Rasse können vom jeweiligen Gutachter auch andere Beugungswinkel gefordert werden.

    Abb. 11
    Ellbogengelenk ML gebeugt. Standardaufnahme mit guter Bildqualität. Korrekte Lagerung, 
    Gelenkspalt orthograd getroffen.

Die Belichtung muß so gewählt werden, daß auch die überlagerten Bereiche des Proc. anconaeus und des Radiuskopfes noch zu beurteilen sind.
Verprojizierte und fehlerhaft belichtete oder entwickelte Röntgenaufnahmen sind nicht auswertbar.
Sehr stark gebeugte Gelenke lassen zwar eine bessere Beurteilung der proximalen Kontur des Proc. anconaeus zu, sind aber fast immer verprojiziert, und der kraniale Gelenkabschnitt ist kaum zu beurteilen.

Bei der kraniokaudalen Projektion ist das Gelenk dann korrekt abgebildet, wenn das Olekranon in die Mitte der Humerusgelenkwalze projiziert ist (Abb.3). Von den meisten Gutachtern wird aber eine leicht schräg nach innen rotierte Aufnahme bevorzugt (15° Pronation, Abb.12), da auf dieser die wichtigen Veränderungen an den inneren Gelenkabschnitte (FCP,OCD) besser beurteilt werden können.

    Abb. 12
    Ellbogengelenk CrL-CdM, 15° Pronation. Die geringe Abweichung von der 
    orthorgraden CrCd Abbildung (Abb. 3) des Gelenkes erlaubt eine bessere Beurteilung der medialen Abschnitte : PCm und Trochlea humeri.

Ein Gelenk wird als abnormal beurteilt, wenn Arthrosen oder die folgenden Primärläsionen röntgenologisch nachgewiesen werden :

    - Isolierter Proc anconaeus – IPA (Abb. 5 und
    - Deformierter oder fragmentierte Proc. coron. med. ulnae - FPC/FCP (Abb.9)
    - Osteochondrose medial an der Trochlea  humeri –OCD (Abb. 10)
    - Inkongruente Gelenkflächen (Stufe, zu enge Incisura trochl., Abb 5, 6 und 7)

    Abb. 10
    Golden Retriever, 8 Monate
    Linkes Ellbogengelenk, schräg cranio-caudaler Strahlengang. OCD. Abgelöstes,verkalktes Dissekat (1) am medialen Teil (3) der Trochlea humerii Humerus (H), Radius (R), Ulna (U), Processus coronoideus medialis der Ulna (2), Processus anconaeus (4)

Als Befund festgehalten werden sollen auch Mineralisationen und Ossifikationen von Sehnen im Bereich des Epicondylus medialis humeri, obwohl deren Zuordnung zur ED noch nicht geklärt ist.

Die Arthrosen werden nach dem Beschluss der IEWG vom Mai 2003 nach folgendem Schema eingeteilt :

Kein Hinweis auf Arthrosen / Normal / ED 0 (Abb.11)
Kein röntgenologischer Hinweis auf Arthrosen oder Primärerkrankungen.

Fast normal / Grenzfall
Gering von der Norm abweichende Konturen der Gelenkränder und des dorsalen Randes des Processus anconaeus, die nicht sicher als arthrotische Veränderung bezeichnet werden können. Erhöhte Dichte im Bereich der Incisura trochlearis, die noch nicht als erheblich eingestuft wird.

Geringe Arthrose / ED Grad I (Abb.13)
Osteophytenbildung mit einer Größe unter 2 mm  an einem oder mehreren der folgenden Gelenkanschnitte :
- dorsal am Proc. anconaeus
- cranial am Radiuskopf
- am Epicondylus med.
- am Epicondylus lat.
- am Proc. coron. med.
- Sklerose der Incisura Trochlearis

    Abb. 13
    Ellbogengelenk ML gebeugt. ED 1 Osteophytenbildung am proximalen Anconaeusrand unter 2 mm Höhe – Arthrose Grad 1

Dieser Gruppe werden auch Gelenke zugeordnet, bei denen eine Zone deutlich erhöhter Knochendichte (Sklerose) nur am distalen Ende der Incisura trochlearis kaudal des Proc. coron. med. besteht. Bei der Röntgenuntersuchung klinisch erkrankter jüngerer Hunde (ab einem Alter von 4 Monaten) ist dieser Befund ein sehr wichtiger und oft der einzige Hinweis auf das Vorliegen eines FPC.

Mittelgradige Arthrose / ED Grad II 
Osteophytenbildung mit einer Größe zwischen 2 und 5 mm an einer oder mehreren der bei Grad I genannten Lokalisationen.

Hochgradige Arthrose / ED Grad III 
Osteophytenbildung mit einer Größe von mehr als 5 mm an einer oder mehreren der bei Grad I genannten Lokalisationen.

Ellbogen, bei denen die Röntgenbefunde eine sichere Diagnose der Grunderkrankungen IPA, FCP oder OCD erlauben, oder bei denen eine operative Behandlung dieser Erkrankungen durchgeführt wurde, werden nach der Empfehlung der IEWG und des VDH unabhängig vom Grad der Arthrose in ED 3 / schwere ED, wenn die Röntgenbefunde nur den begründeten Verdacht auf diese Erkrankungen erlauben in ED 2 / mittlere ED eingestuft. 

Andere von der Norm abweichende Röntgenbefunde werden aufgeführt, haben aber keinen Einfluß auf die Einstufung in die ED – Gruppen.

Es wird von der IEWG empfohlen, nicht mit Hunden zu züchten, die Arthrosen (Grad 1 – 3) oder Primärerkrankungen aufweisen.
Nach den Richtlinien des VDH dürfen Hunde mit ED 2 und ED 3 nicht zur Zucht verwendet werden.

Die Mitglieder der IEWG sind sich darüber einig, dass dieses Beurteilungsschema Mängel aufweist und als Selektioskriterium für eine Massenselektion oder Zuchtwertschätzung nicht bei allen Rassen gleich erfolgreich angewendet werden kann. Ein wesentlicher Grund liegt in der Tatsache, dass unter dem Begriff  Ellbogengelenksdysplasie unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst wurden, die sich in ihrer Entstehung und im Vererbungsmodus auch in Abhängigkeit von der Rasse/Population unterscheiden können. Wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich zur Zeit damit, ob nicht differenziertere, auf die Rasse abgestimmte Selektionsmethoden vorteilhafter sind.

Von der Arbeitgruppe um Dr. Lang, Bern wurde schon 1994 vorgeschlagen, die röntgenologische Beurteilung der Ellbogen nach einem Punkteschema, vergleichbar dem in der Schweiz für die HD verwendeten, vorzunehmen. Entsprechend der Punktesumme kann dann eine Einteilung in die ED-Grade erfolgen oder die Punkte können als Basis einer Zuchtwertschätzung direkt verwendet werden.

Vom TG-Verlag in Gießen wird eine indirekte Selektion auf der Basis eines Index „EQ“ vorgeschlagen, der aus Winkelmessungen am Ellbogengelenk errechnet wird. Untersuchungen bei einer großen Zahl von Rottweilern hatten ergeben, dass zwischen diesen Winkeln und der Ausprägung von Arthrosen eine genetische Korrelation besteht. Die Winkel und der Index zeigten eine hohe Heritabilität. Es wurde eine hohe Messgenauigkeit beschrieben und die Methode als Grundlage für eine Zuchtwertschätzung als objektiver und besser geeignet befunden, als das  IEWG-Schema.

Es muss aber bezweifelt werden, od damit wirklich alle Probleme zu erfassen sind. Die Anwendbarkeit dieses Index beruht auf seiner genetischen Korrelation zu den Arthrosen. Da, wie oben schon erwähnt, diese wegen der unterschiedlichen Genese der Grunderkrankungen nicht immer eine befriedigende Selektion gegen diese erlauben, ist dies auch nicht von diesem Index zu erwarten.

In einer Studie an einer wesentlich größeren Zahl von DSH konnten diese Ergebnisse in wesentlichen Punkten nicht bestätigt werden. Eine Überprüfung der Messgenauigkeit ergab doch erhebliche Abweichungen zwischen verschiedenen anonymisierten Messreihen für die Winkel des selben Gelenkes. Auch aus genetischer Sicht ergaben sich wesentliche Unterschiede.

Schlussbemerkungen:

Vergleichbar zur HD besteht auch bei der ED noch erheblicher Bedarf an Forschung, um die bestehenden Probleme bei der züchterischen Selektion zu verringern. Der Erfolg einer Selektion wird aber auch bei der ED, unabhängig von den Methoden, sehr davon abhängen, wie konsequent sie durchgeführt werden und ob mit mehr Ehrlichkeit bei der Veröffentlichung auch der schlechten Ergebnisse verfahren wird.
Neue Methoden müssen ausreichend geprüft  und abgesichert werden, damit sie bei Anwendung nicht schon nach kurzer Zeit wieder zu Problemen führen.

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Katharina Bottenberg

 

 Quelle: http://www.airedale-kft.de/Gesundheit/ED/ED-Infos/ed-infos.html

 


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„Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen“ (Ernst Hauschka)